330 Millionen Euro Umsatz bei „Archetyp Market“: Deutscher war der größte Darknet-Dealer der Welt
Kokain, Heroin, Crystal Meth und Fentanyl: Über den Darknet-Marktplatz „Archetyp Market“ sollen Drogen im Wert von rund 330 Millionen Euro gehandelt worden sein. Nun steht der mutmaßliche Gründer und Betreiber in Frankfurt vor Gericht. Zum Prozessauftakt legte der 31-Jährige ein umfassendes Geständnis ab.
Ein Darknet-Markt mit 330 Millionen Euro Umsatz
„Archetyp Market“ galt nach Angaben der Anklage zum Zeitpunkt seiner Abschaltung im Sommer 2025 als weltweit größter Online-Marktplatz für Drogen und bestimmte Arzneimittel. Gegründet wurde die Plattform im November 2020. Über sie sollen mehr als 600.000 Kundenkonten und rund 2,3 Millionen Bestellungen abgewickelt worden sein.
Die Ermittler beziffern das Umsatzvolumen auf rund 330 Millionen Euro. Gehandelt worden sein sollen unter anderem Kokain, Heroin, Crystal Meth, Fentanyl, Crack, LSD sowie Cannabisprodukte. Auch Dopingmittel und Arzneimittel wurden angeboten.
Der Mann hinter dem Marktplatz
Vor dem Frankfurter Landgericht räumte der Angeklagte ein, Gründer und Betreiber von „Archetyp Market“ gewesen zu sein. „Das war ein großer Fehler und ich bereue meine Taten zutiefst“, erklärte der 31-Jährige zum Prozessauftakt.
Der in Minden geborene Betriebswirt soll die Plattform gemeinsam mit mehreren Moderatoren betrieben haben. Nach Angaben der Ermittler soll er dabei selbst rund 20 Millionen Euro eingenommen haben. Die Serverinfrastruktur befand sich demnach in den Niederlanden.
Tonnenweise illegale Drogen
Die Dimensionen des Geschäfts sind erheblich. Laut den im Prozess genannten Ermittlerangaben wurden über die Plattform rund 6,9 Tonnen verschiedener Drogen, etwa 3,2 Millionen Pillen, 2,2 Millionen Tabs und 326 Liter weiterer Substanzen gehandelt.
Bezahlt wurde über die Kryptowährung Monero. Käufer konnten sich auf der Plattform registrieren, Guthaben in ein digitales Wallet einzahlen und anschließend Waren auswählen. Die Verkäufer sollten die Bestellungen anschließend an die von den Kunden angegebenen Adressen verschicken.
„Apfelsaft naturtrüb“
Besonders kurios klingt der Nutzername, unter dem der mutmaßliche Betreiber selbst im Darknet auftrat. Er verwendete das Kürzel „ASNT“. Die Abkürzung stand nach seiner Aussage für „Apfelsaft naturtrüb“.
Der Name soll entstanden sein, weil er das Getränk getrunken habe, als er „Archetyp Market“ gründete. Aus einem zunächst kleinen persönlichen Projekt entwickelte sich anschließend ein internationaler Drogenmarktplatz mit einem Umsatzvolumen von mehreren hundert Millionen Euro.
Vom persönlichen Projekt zum Millionengeschäft
Nach Darstellung des Angeklagten habe zunächst nicht die Profitmaximierung im Mittelpunkt gestanden. Er beschrieb die Plattform vielmehr als ein Projekt, das sich zunehmend verselbstständigt habe.
Nach seinen Angaben wollte er „Archetyp“ schließlich sogar abschalten. Kurz vor seiner Festnahme seien keine neuen Registrierungen mehr angenommen worden. Die Ermittler setzten dem Geschäft jedoch zuvor ein Ende.
Festnahme in Barcelona
Im Juni 2025 wurde der Deutsche von einer Spezialeinheit der spanischen Nationalpolizei in Barcelona festgenommen. Gleichzeitig gab es nach Angaben der Behörden Durchsuchungen im In- und Ausland sowie weitere Festnahmen.
Die Ermittlungen wurden von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main geführt. Deshalb findet der Prozess vor dem Landgericht Frankfurt statt.
Bis zu 15 Jahre Haft möglich
Dem Angeklagten droht im Fall einer Verurteilung eine erhebliche Freiheitsstrafe. Für bandenmäßiges unerlaubtes Handeln mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sieht das Betäubungsmittelgesetz grundsätzlich einen Strafrahmen von fünf bis zu 15 Jahren vor.
Das Geständnis kann bei der späteren Strafzumessung berücksichtigt werden. Ein Urteil wird nach dem derzeitigen Prozessstand im Oktober erwartet.
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