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BERLIN · POLITIK · CLAN-KONTAKTE

Ferat Koçak schrieb innige Nachrichten mit Clan-Mitglied: Die Strafakte von Firas Remmo

Berlin, 22. September 2026 · Politik

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak steht wegen seines Kontakts zu Firas Remmo, einem Sohn des bekannten Berliner Clan-Mitglieds Issa Remmo, unter erheblichem politischen Druck. Veröffentlicht wurden Chatnachrichten, in denen sich beide unter anderem mit „Bruder“ ansprechen. Gleichzeitig geriet Firas Remmo in den vergangenen Jahren immer wieder im Zusammenhang mit Ermittlungen und Polizeieinsätzen in den Fokus.

Ein Chat sorgt für neue Fragen

Auslöser der aktuellen Debatte ist ein von Firas Remmo selbst veröffentlichter Screenshot eines Chatverlaufs mit dem Linken-Politiker Ferat Koçak. Darin soll Koçak unter anderem Grüße an Remmos Vater Issa ausgerichtet haben. In einem weiteren Austausch vom 17. Februar soll Koçak den Remmo-Sohn darum gebeten haben, einen Ausschnitt aus einer Bundestagsrede weiterzuverbreiten und auch andere Personen dafür zu gewinnen.

Besonders brisant ist der Inhalt des Videos. Es stammte aus einer Bundestagsdebatte über sogenannte Clankriminalität. Koçak hatte dabei unter anderem argumentiert, dass „Clankriminalität“ kein eigener klar definierter Straftatbestand sei und den Begriff als politischen Kampfbegriff kritisiert.

Firas Remmo kommentierte die Veröffentlichung des Chats seinerseits mit Aussagen über Zusammenhalt und gemeinsame Ziele und bezeichnete die Beteiligten als „Team“. Damit bekam der private Nachrichtenaustausch eine politische Dimension.

Koçak räumt Fehler ein

Ferat Koçak hat den Kontakt inzwischen bestätigt und sich dafür entschuldigt. Er erklärte, ihm sei zu Beginn des Kontakts nicht bewusst gewesen, mit wem er kommuniziere. Später sei ihm die Identität seines Gesprächspartners bekannt geworden. Dass er die Kommunikation anschließend fortgesetzt und ihm Material aus seiner politischen Arbeit geschickt habe, bezeichnete Koçak selbst als Fehler.

Inzwischen kündigte der Abgeordnete an, sich zunächst zurückzuziehen und sein Kommunikationsverhalten aufzuarbeiten. Die Linke hat ebenfalls angekündigt, den Vorgang intern zu klären. Damit steht nicht nur der persönliche Umgang Koçaks mit dem Remmo-Sohn im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, wie Politiker mit Personen umgehen, die von Sicherheitsbehörden oder Medien dem Umfeld organisierter Kriminalität zugerechnet werden.

Wer ist Firas Remmo?

Firas Remmo ist ein Sohn von Issa Remmo und gehört damit zur bekannten Berliner Großfamilie Remmo. Gegen einzelne Mitglieder der Familie wurden in den vergangenen Jahren Ermittlungen wegen verschiedener schwerer Straftaten geführt. Dabei muss allerdings zwischen einzelnen Familienmitgliedern unterschieden werden. Die Zugehörigkeit zu einer Familie stellt selbstverständlich keinen Beweis für eine Straftat dar.

Firas Remmo selbst stand mehrfach im Fokus von Polizei und Medien. Bereits 2022 kam es zu einem Polizeieinsatz an der bekannten Remmo-Villa in Berlin-Neukölln, nachdem auf Social Media Aufnahmen eines Tigers in den Räumlichkeiten veröffentlicht worden waren.

Noch wesentlich aktueller ist ein Vorgang aus dem Januar 2026. Während eines größeren Stromausfalls in Berlin wurde die Polizei auf mehrere Männer aufmerksam, die sich an einem Geldautomaten zu schaffen gemacht haben sollen. Nach Angaben der Polizei wurden vier Männer festgenommen. Bei dem Fahrzeug wurden Einbruchswerkzeuge gefunden. Medien berichteten unter Berufung auf eigene Informationen, dass es sich bei einem der Verdächtigen um Firas Remmo gehandelt haben soll.

Festnahme ist keine Verurteilung

Die Vorgänge müssen jedoch juristisch sauber eingeordnet werden. Eine Festnahme oder ein Ermittlungsverfahren bedeutet nicht, dass die betreffende Person eine Straftat begangen hat. Auch Firas Remmo und sein Vater Issa Remmo sind nach aktuellen Berichten nicht wegen der hier angesprochenen Vorwürfe rechtskräftig verurteilt worden.

Gleichzeitig ist dokumentiert, dass Mitglieder der Großfamilie Remmo in der Vergangenheit wegen verschiedener Straftaten verurteilt wurden beziehungsweise in Ermittlungsverfahren eine Rolle spielten. Dazu gehören unter anderem Verfahren im Zusammenhang mit dem Diebstahl der berühmten Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Berliner Bode-Museum und dem Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden.

Daraus ergibt sich eine wichtige Unterscheidung: Straftaten einzelner Angehöriger können nicht automatisch anderen Familienmitgliedern zugerechnet werden. Ebenso wenig kann aus einem privaten Chat allein eine Beteiligung an einer Straftat abgeleitet werden.

Politische Brisanz des Falls

Der Fall ist politisch vor allem deshalb brisant, weil der Chat unmittelbar nach dem Besuch von Issa Remmo bei einer Wahlparty der Berliner Linken öffentlich wurde. Die Partei distanzierte sich von seinem Auftreten und erklärte, er sei nicht eingeladen gewesen und anschließend von der Veranstaltung verwiesen worden.

Durch die Veröffentlichung der Nachrichten mit Ferat Koçak steht nun zusätzlich die Frage nach persönlichen Kontakten im Raum. Kritiker sehen darin einen Widerspruch zu der politischen Auseinandersetzung über organisierte Kriminalität und sogenannte Clankriminalität. Koçak selbst hat den Kontakt inzwischen als Fehler bezeichnet und Konsequenzen für sein eigenes Kommunikationsverhalten angekündigt.

Entscheidend wird deshalb sein, welche weiteren Informationen über den Kontakt tatsächlich vorliegen und wie die Beteiligten die Vorgänge erklären. Zwischen politischen Kontakten, persönlicher Kommunikation und einer tatsächlichen Zusammenarbeit mit kriminellen Strukturen muss dabei klar unterschieden werden.

Fazit: Der veröffentlichte Chat zwischen Ferat Koçak und Firas Remmo wirft Fragen über den Umgang eines Bundestagsabgeordneten mit einem Angehörigen einer Familie auf, deren einzelne Mitglieder seit Jahren wegen schwerer Straftaten im Fokus der Ermittlungsbehörden stehen. Koçak hat den Kontakt bestätigt und als Fehler bezeichnet. Bei den gegen Firas Remmo bekannt gewordenen Vorgängen gilt jedoch weiterhin die Unschuldsvermutung, solange keine rechtskräftige Verurteilung vorliegt.

Hinweis: Die Bezeichnung „Strafakte“ ist journalistisch verkürzt. Die öffentlich bekannten Informationen umfassen unter anderem Ermittlungen, Polizeieinsätze und einen aktuellen Tatverdacht, nicht jedoch eine rechtskräftige Verurteilung von Firas Remmo wegen sämtlicher im Zusammenhang mit ihm genannten Vorwürfe.

Quellen: t-online, Berliner Zeitung, taz, Süddeutsche Zeitung, B.Z. und Polizeiangaben.

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