Erster CDU‑Kanzler: Historiker enthüllt Adenauers heiklen Pakt mit Alt‑Nazis
Neue Studien und Interviews mit führenden Historikern zeigen: Konrad Adenauer, erster Kanzler der Bundesrepublik, integrierte zahlreiche ehemalige NS‑Funktionäre in Verwaltung und Politik. Moralisch umstritten machtpolitisch jedoch kalkuliert.
Alt‑Nazis in Schlüsselpositionen
Historiker Norbert Frei beschreibt, wie Adenauer nach 1949 bewusst ehemalige Nationalsozialisten in Machtfunktionen holte und sogar mit der rechten Deutschen Partei (DP) koalierte. Hintergrund war die breite Ablehnung der Entnazifizierung in der jungen Bundesrepublik ein gesellschaftlicher Wunsch nach „Schlussstrich“, den Adenauer politisch nutzte.
Globke Adenauers engster Mann
Besonders heikel war die Rolle von Hans Globke, Adenauers mächtigstem Beamten. Globke war im NS‑Staat im Kernbereich der antisemitischen Gesetzgebung tätig gewesen. Während des Eichmann‑Prozesses fürchtete er Enthüllungen über seine Vergangenheit der BND unterwanderte sogar das Verteidigerbüro, um Informationen zu kontrollieren. Historiker Klaus‑Dietmar Henke spricht von „Vergangenheitsabwehr“ als staatlicher Strategie.
Adenauers Schweigen zur deutschen Schuld
Obwohl Adenauer selbst Gegner des NS‑Regimes war und die Schuld der Deutschen nie bezweifelte, sprach er öffentlich kaum darüber. Frei erklärt, Adenauer habe den politischen Schaden gefürchtet: Die Mehrheit wollte keine Aufarbeitung, sondern Ruhe. Seine Regierungserklärung 1949 enthielt den Satz, mit der „Nazi‑Riecherei müsse jetzt Schluss sein“.
Neue Studien: Bis zu 38 % NSDAP‑Vergangenheit
Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass unter Adenauer bis zu 38 Prozent der höheren Beamten eine NSDAP‑Vergangenheit hatten. Ex‑Kanzleramtschef Peter Altmaier kritisiert rückblickend, Adenauer habe sich „so gut wie nie“ zu den dunklen Seiten geäußert. Viele frühere NS‑Funktionäre konnten unbehelligt Karriere machen ein Zustand, der erst mit den Auschwitz‑Prozessen Mitte der 1960er Jahre endete.
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