Wegen eurer Elektroautos geht uns das Trinkwasser aus
Der weltweite Boom der Elektromobilität treibt die Nachfrage nach Lithium in ungeahnte Höhen. Doch im Norden Chiles, im Salar de Atacama, führt der Abbau des „weißen Goldes“ zu einer dramatischen Wasserkrise. Indigene Gemeinden, Ökosysteme und die lokale Landwirtschaft geraten zunehmend unter Druck.
Ein globaler Trend mit lokalen Folgen
Elektroautos gelten als Schlüsseltechnologie für eine klimafreundliche Zukunft. Ihr Herzstück sind Lithium-Ionen-Batterien und ein großer Teil des dafür benötigten Lithiums stammt aus dem Salar de Atacama in Chile. Doch die Region zählt zu den trockensten Orten der Erde. Laut aktuellen Analysen besteht dort ein struktureller Wasserdefizit von bis zu 40 %, das sich bis 2030 weiter verschärfen wird (Quelle: S&P Global Commodity Insights, 2026). Die Lithiumgewinnung verbraucht enorme Wassermengen: Für die Produktion einer Tonne Lithiumcarbonat werden rund 2,2 Millionen Liter salzhaltiger Sole bewegt und große Mengen Süßwasser für die chemische Verarbeitung benötigt (Quelle: ESI Risk Index, 2026).
Die Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt, Feuchtgebiete trocknen aus und traditionelle Landwirtschaft wird zunehmend unmöglich. Indigene Gemeinschaften wie die Lickanantay berichten von ausbleibenden Flussläufen und sterbenden Weideflächen.
Der hydro-geologische Kollaps
Die Bergbauunternehmen betonen häufig, dass sie lediglich „Brine“ also salzhaltiges Tiefenwasser – fördern. Doch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass der Salzsee ein zusammenhängendes hydro-geologisches System ist. Wird tiefes Salzwasser abgepumpt, strömt Süßwasser aus den Randzonen nach und vermischt sich mit der Sole. Dadurch sinkt der Druck im gesamten System, und die Frischwasser-Aquifere werden irreversibel geschädigt (Quelle: Chile SMA / Cochilco, 2026).
Die chilenische Wasserbehörde DGA reagierte 2026 mit einer 15‑%igen Kürzung der Förderquoten für die Unternehmen SQM und Albemarle. Das bedeutet einen Verlust von rund 20.000 Tonnen Lithiumcarbonat pro Jahr (Quelle: Benchmark Mineral Intelligence, 2026).
Gleichzeitig zeigen Studien der TU Berlin, dass die Wasserfußabdrücke der Lithiumproduktion trotz Effizienzsteigerungen weiterhin erheblich sind: Bis zu 442 m³ Wasseräquivalente pro Tonne Lithiumprodukt entstehen entlang der Produktionskette (Quelle: Journal of Cleaner Production, 2025).
Konflikte, Proteste und politische Gegenmaßnahmen
Die Wasserkrise hat zu massiven Protesten indigener Gruppen geführt. Blockaden, Klagen und Demonstrationen sind inzwischen regelmäßiger Bestandteil des Konflikts um den Lithiumabbau. Die Regierung reagierte mit der Nationalen Lithiumstrategie, die vorsieht:
- staatliche Mehrheitsbeteiligung an neuen Lithiumprojekten,
- strikte Wasserneutralität bis 2027,
- Investitionen in Meerwasserentsalzung,
- Einführung von Direct Lithium Extraction (DLE) zur Reduktion des Wasserverbrauchs.
Doch auch diese Technologien sind nicht frei von Problemen: DLE benötigt weiterhin große Mengen Energie und Wasser, und die geplanten Entsalzungsanlagen kosten Milliarden. Zudem verlieren die Unternehmen ihren bisherigen Kostenvorteil, da die „billige“ Lithiumproduktion in Chile zunehmend teurer wird.
Wissenschaftliche Studien:
Wissenschaftliche Studien
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Journal of Cleaner Production (2025) – Water footprint of battery-grade lithium production
DOI:https://doi.org/10.1016/j.jclepro.2024.144635
(TU Berlin – Marinova et al.)
Internationale Risiko- und Marktanalysen
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S&P Global Commodity Insights (2026) – Water scarcity & lithium supply
https://www.spglobal.com -
ESI Risk Index (2026) – Atacama Water Crisis & Lithium Brine Extraction
https://www.deepseek.com/esi -
Benchmark Mineral Intelligence (2026) – Lithium quotas & market impact
https://www.benchmarkminerals.com
Behörden & Regierungsberichte
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Chile SMA (Superintendencia del Medio Ambiente)
https://sma.gob.cl -
Dirección General de Aguas (DGA) – Wasserquoten & Regulierung
https://www.dga.cl -
Cochilco – Comisión Chilena del Cobre
https://www.cochilco.cl