NSDAP, SPD und die Machtübernahme Hitlers Historische Einordnung
Die Frage, ob die NSDAP „links“ gewesen sei und ob die SPD Hitler zur Macht verholfen habe, taucht heute häufig in politischen Debatten auf. Historisch betrachtet sind beide Behauptungen falsch. Dieser Artikel beleuchtet die Fakten, die politischen Strukturen der Weimarer Republik und die Quellenlage.
Die politische Ausrichtung der NSDAP
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) wird gelegentlich aufgrund ihres Namens fälschlich als „links“ bezeichnet. Historisch und ideologisch war sie jedoch eine rechtsextreme, völkisch nationalistische, antidemokratische und antimarxistische Partei. Ihre Programmatik zielte auf die Errichtung eines autoritären Führerstaates, die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und die rassistische Neuordnung der Gesellschaft.
Bereits im Parteiprogramm von 1920 wird der radikale Antimarxismus deutlich formuliert.
Die NSDAP bekämpfte Sozialdemokraten und Kommunisten als „Volksfeinde“ und „Novemberverbrecher“.
Historiker wie Ian Kershaw und Joachim Fest ordnen die NSDAP eindeutig der extremen Rechten zu.
Quelle: Kershaw, „Hitler Biographie“, 1998; Fest, „Hitler“, 1973.
Der Begriff „sozialistisch“ im Parteinamen war vor allem ein propagandistisches Mittel, um
Arbeiter anzusprechen. Die NSDAP lehnte jedoch jede Form von sozialistischer oder marxistischer
Wirtschaftsordnung ab und setzte stattdessen auf eine autoritäre, nationalistische
„Volksgemeinschaft“, die Klassengegensätze zugunsten totalitärer Kontrolle überdeckte.
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Dossier Nationalsozialismus.
Die Rolle der SPD in der Weimarer Republik
Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) war eine der wichtigsten demokratischen Kräfte der Weimarer Republik. Sie verteidigte die parlamentarische Demokratie gegen extremistische Bewegungen von rechts und links. Die Behauptung, die SPD habe Hitler „geholfen“, ist historisch nicht haltbar.
Die SPD stimmte am 23. März 1933 als einzige große Partei gegen das Ermächtigungsgesetz,
das Hitler diktatorische Vollmachten verlieh. Alle anderen Parteien Zentrum, BVP, DNVP und die
bereits gleichgeschaltete DVP unterstützten das Gesetz. Die SPD war damit die letzte
parlamentarische Kraft, die sich Hitler offen widersetzte.
Quelle: Deutscher Bundestag Dokumentation zum Ermächtigungsgesetz.
Am 23. Juni 1933 wurde die SPD von den Nationalsozialisten verboten. Tausende Mitglieder wurden
verhaftet, verfolgt oder ins Exil gezwungen. Die SPD war somit nicht Unterstützerin, sondern
Opfer und Gegnerin des Nationalsozialismus.
Quelle: Gedenkstätte Deutscher Widerstand Parteiensperrungen 1933.
Warum entstehen diese Mythen?
Die Vorstellung, die NSDAP sei „links“ gewesen, beruht meist auf einer oberflächlichen Interpretation des Parteinamens oder auf politischer Instrumentalisierung. Historisch ist die Einordnung eindeutig: Die NSDAP war eine rechtsextreme, rassistische und antisozialistische Bewegung.
Der Mythos, die SPD habe Hitler zur Macht verholfen, entsteht oft aus der komplexen politischen
Lage der frühen 1930er Jahre. Die SPD war zwar nicht in der Lage, die Machtübernahme Hitlers zu
verhindern aber sie hat sie nicht unterstützt. Die Spaltung zwischen SPD und KPD
schwächte die demokratische Linke, doch die Verantwortung für Hitlers Aufstieg liegt bei den
konservativen Eliten, die ihn 1933 zum Reichskanzler ernannten.
Quelle: Heinrich August Winkler, „Weimar 1918–1933“, 1993.
Auch die Entscheidung von Reichspräsident Paul von Hindenburg, Hitler am 30. Januar 1933 zum
Reichskanzler zu ernennen, erfolgte gegen den Widerstand der SPD und beruhte auf taktischen
Fehleinschätzungen konservativer Politiker wie Franz von Papen.
Quelle: Bundesarchiv Dokumente zur Regierungsbildung 1933.