Der nächste Griff ins Portemonnaie: Klingbeil will Mitarbeiterrabatte besteuern
Wer als Angestellter günstiger beim eigenen Arbeitgeber einkauft, soll künftig dafür zur Kasse gebeten werden. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will den steuerfreien Rabattfreibetrag von 1080 Euro im Jahr streichen; und trifft damit Millionen Beschäftigte vom Supermarkt bis zur Fluggesellschaft.
Der Plan: Rabatt wird zu Arbeitslohn
Bislang gilt eine klare Regel: Erhält ein Arbeitnehmer Waren oder Dienstleistungen seines Arbeitgebers vergünstigt, bleibt dieser geldwerte Vorteil bis zu 1080 Euro pro Jahr steuerfrei. Der sogenannte Rabattfreibetrag nach Paragraf 8 Absatz 3 Einkommensteuergesetz gilt seit Jahrzehnten als unbürokratische Anerkennung für Beschäftigte ; und als gängiges Instrument der Mitarbeiterbindung. Laut einem Gesetzentwurf aus dem Bundesfinanzministerium soll damit nun Schluss sein: Künftig würde der Personalrabatt grundsätzlich als steuerpflichtiger Arbeitslohn behandelt. Wer 10 Prozent Rabatt auf den eigenen Einkauf bekommt, müsste diesen Vorteil versteuern ; so, als wäre er zusätzliches Gehalt.
Wen es treffen würde
Betroffen wären längst nicht nur wenige Branchen: Supermarktverkäuferinnen und -verkäufer gehören ebenso dazu wie Beschäftigte von Autoherstellern, Fluggesellschaften, Banken und Verkehrsbetrieben ; überall dort, wo Mitarbeiterrabatte bislang zum selbstverständlichen Teil des Arbeitsverhältnisses gehören. Die Streichung des Freibetrags würde damit einen Querschnitt der arbeitenden Bevölkerung treffen, vom Einzelhandel bis zur Industrie.
Die Rechnung: 240 Millionen Euro
Rund 240 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen erhofft sich der Staat von der Reform ; pro Jahr. Die Summe wirkt überschaubar, doch sie steht in auffälligem Kontrast zum politischen Anspruch der Koalition, gerade kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Für viele Beschäftigte wäre der Wegfall des Freibetrags eine spürbare, unmittelbare Mehrbelastung ; ausgerechnet bei einem Vorteil, der bislang keinen zusätzlichen Verwaltungsaufwand verursachte und schlicht als Anerkennung der Betriebszugehörigkeit galt.
Kritik von allen Seiten
Der Vorstoß sorgt branchenübergreifend für Widerspruch. Der CDU-Finanzpolitiker Fritz Güntzler bezeichnete die Pläne als eine Maßnahme, die einer verdeckten Gehältskürzung gleichkomme, und forderte stattdessen eine Anhebung des Freibetrags. Auch aus den eigenen Reihen der Ampel-Nachfolgekonstellation kommt Skepsis: Der grüne Finanzpolitiker Sascha Müller warnte, Unternehmen könnten wegen des zusätzlichen administrativen Aufwands künftig ganz auf Rabatte für ihre Belegschaft verzichten. Verbände äußerten sich ähnlich deutlich: Der Dehoga Bayern nannte Mitarbeiterrabatte „gelebte Wertschätzung und einen unkomplizierten Benefit, von dem Beschäftigte und Betriebe gleichermaßen profitieren“. Der Deutsche Reiseverband warnte vor einem „völlig falschen Signal“ in Zeiten gestiegener Lebenshaltungskosten, das zudem ein wichtiges Instrument der Mitarbeiterbindung gefährde.
Und jetzt? Zwischen Referentenentwurf und Subventionsabbau
Ganz vom Tisch ist die Idee übrigens nicht, obwohl sie zwischenzeitlich aus dem Referentenentwurf zur Einkommensteuerreform vom 18. August 2026 wieder gestrichen wurde. Medienberichten zufolge soll die Abschaffung des Rabattfreibetrags stattdessen in einem separaten Gesetzentwurf zum Subventionsabbau untergebracht werden. Ein konkreter Zeitplan für das Inkrafttreten ist bislang nicht bekannt ; das Thema dürfte damit auf der politischen Agenda bleiben, auch wenn es aktuell aus den Schlagzeilen verschwunden ist.
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