Stammtisch mit Moped und Lederjacke: „Die Bodenlosen“ 1960
Anfang der 1960er Jahre entstand in der Oberpfalz eine Jugendgruppe, die sich selbstironisch „Die Bodenlosen“ nannte. Ein Stammtisch, ein paar Mopeds, viel Leder und ein Lebensgefühl zwischen Aufbruch, Freiheit und Dorfalltag.
Ein Stammtisch als Treffpunkt einer neuen Generation
In den Wirtschaften rund um Regenstauf trafen sich junge Männer, die sich bewusst von den traditionellen Erwartungen ihrer Eltern abgrenzen wollten. Der Stammtisch der „Bodenlosen“ wurde schnell zum Mittelpunkt eines kleinen, aber lebendigen Mikrokosmos. Lehrlinge, Fabrikarbeiter und junge Heimkehrer aus der Bundeswehr fanden dort Gemeinschaft und ein Stück Unabhängigkeit.
Der Name „Die Bodenlosen“ war humorvoll gemeint eine Mischung aus Selbstironie und dem Wunsch, sich nicht festlegen zu müssen. Ihre Treffen waren geprägt von Gesprächen über Arbeit, Alltag, Träume und natürlich über Mopeds.
Mopeds, Lederjacken und der Klang der Freiheit
Das typische Bild der Gruppe: ein DKW‑Moped, eine abgewetzte Lederjacke und ein selbst modifizierter Auspuff, der mehr Lärm als Leistung brachte. Doch genau dieser Klang wurde zum Symbol ihrer Identität. Mopeds waren erschwinglich, reparierbar und boten Mobilität, die vorher kaum jemand hatte.
Für die jungen Männer bedeutete das: Ausflüge, spontane Treffen, kleine Abenteuer – und gelegentlich Ärger mit der Dorfpolizei, wenn der Auspuff zu laut war. Die Mopeds waren Ausdruck eines Lebensgefühls, das nach Freiheit roch und nach Benzin klang.
Zwischen Rebellion und Dorfalltag
Trotz ihres rauen Auftretens waren die „Bodenlosen“ keine Rockergruppe im modernen Sinn. Sie halfen bei Festen, reparierten Nachbars Mopeds und waren Stammgäste bei Kirchweihen. Ihre Rebellion war leise, fast freundlich ein Aufbegehren gegen Langeweile, nicht gegen die Gesellschaft.
Viele von ihnen gründeten später Familien, arbeiteten in regionalen Betrieben und blieben dem Stammtisch treu. Einige Mopeds existieren noch heute, liebevoll restauriert und als Erinnerung an eine Zeit, in der Freiheit einfach bedeutete, den Motor zu starten und loszufahren.